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 Kleine Geschichten aus dem Zirkel

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Altra

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:21

Luthien, 30.08.2011

Schon wieder Windbrecher", murmelte sie, als ihr Blick für einen Moment an dem Namen hängen blieb, mit dem der Brief in ihren Händen unterzeichnet war. Des Öfteren schon hatte sie in den vergangenen Wochen und Monaten mit diesem Druiden in Nachthafen zu tun gehabt und doch war ihr noch immer nicht klar, in welchem Zusammenhang er mit der Einheit stand.

Sie mhmte leise und ihr Blick kehrte zum Inhalt der Nachricht zurück. 'Wie dem auch sei', dachte sie, die Weisung war eindeutig und forderte die kurzfristige Verstärkung einer Gruppe des Tempels im Hyjal. Mit Windbrecher konnte sie sich immer noch befassen.

Ein tiefer Atemzug begleitete den Griff nach Tinte, Feder und Papier. Sie würde sehen, wieviele der verstreuten Einheit sie in diesem kleinen Zeitfenster zusammenziehen konnte.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:31

Luthien, 06.09.2011

Regungslos stand sie am Rande der befestigten Ruinen und blickte auf das trostlose Schlachtfeld, auf dem noch vor wenigen Stunden der Kampf getobt hatte. Die Verletzten und Toten waren geborgen worden und wie durch ein Wunder war keiner ihrer Einheit darunter.
Noch immer prasselte der Regen auf Stein, Blatt, Gras und Waldboden. Langsam und gnädig wuschen die Tropfen die Spuren von Blut und Tod fort.

Erschöpft streifte sie den Kopfschutz ab, hob das Gesicht in den Regen und schloss für einige Momente die Augen. Das dumpfe Grollen neben ihr, liess sie ihre Lichter wieder öffnen und zu dem dunklen Säbler neben ihr blicken. Sie nickte langsam. "Zeit nach Hause zu gehen", murmelte sie.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:32

Luthien, 08.09.2011

Sie blickte den vertrauten Gestalten nach, wie sie sich langsam zurückzogen. Hier und da stand noch jemand zusammen und unterhielt sich. Die erste Zusammenkunft, nach den langen Wochen in denen sich die Mitglieder der Organisation in den den vielen Aufgaben des Zirkels zerstreut hatten, war vorbei. Und wenn es auch nicht alle nach Darnassus geschafft hatten, so waren doch einige gekommen.

Ihr Blick wanderte den Quartierbaum hinauf und sah gerade noch Morgennebel in sein Quartier verschwinden. Ein fast mitleidiges Lächeln formten ihre Lippen, in dem Gedanken an den Stapel Korrespondenz, der ihn dort erwartete.

An ihre eigene Pflicht des Berichteschreibens erinnert, nickte sie unwillkürlich und machte sich ihrerseits auf, in die Verteidigerräume des Quartiers.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:32

Luthien, 11.09.2011

Die Konturen des großen, dunklen Säblers schienen mit dem Wald zu verschmelzen, kaum dass er die Baumgrenze erreicht hatte. Wenige Momente später schon verlor er sich gänzlich im Unterholz und war fort, so schnell und lautlos wie er gekommen war, um sein wildes Leben in den Wäldern der Dunkelküste wieder aufzunehmen... doch die Verbindung blieb.

"Mögen die Schatten des Waldes dich behüten, mein Freund. Bis wir uns wiedersehen", murmelte sie leise, ehe sie sich abwandte und langsam zurück nach Lor'Danel ging.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:33

Luthien, 13.09.2011

Auf dem Weg, die Rampe hinauf, zu den Räumen des Sprechers, studierte ihr Blick nochmal die Zeilen der Nachricht, die sie ihm zu überbringen unterwegs war. Erneut trug das Schreiben die Unterschrift Windbrechers und erneut hiess es die Einheit mit den verfügbaren Kräften in den Hyjal zu ziehen.
Diesmal, um die Tempelgruppe unter dem Kommando der Hohen Schwester Shiraliah Silberlaub, in der ersten Nacht der kommenden Woche bei einem Gegenschlag auf das Kultistenlager zu verstärken. Ziel dieses Angriffs sollte es sein, die Reste des feindlichen Lagers endgültig auszulöschen.

Unwillkürlich zog sie die Oberlippe hoch, so dass ihre kleinen spitzen Fänge für einen Wimpernschlag hervorblitzten. Schneller als erwartet würde Verteidigeranwärterin Abendrot die gewünschte Bewährungsprobe finden und Gelegenheit sich ihren Platz in der Einheit zu verdienen.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:33

Luthien, 14.09.2011

Müde zog sie den schweren Vorhang zu und wandte sich in das Innere ihres Quartiers, welches nun im fahlen Zwielicht des erwachenden Morgens lag, welches noch seinen Weg durch die Ritzen des Licht- und Sichtschutzes fand.

Viele Worte hatte diese Nacht gehabt. Aschenläufer war von ihrer Reise zurück und hatte die Einheit mit großzügigen Vorräten an Kräutern und Heilsalben eingedeckt. Über den Besuch von Druide Malagar hatte die Aufseherin sich gefreut, war es doch seit dem Kampf im Hyjal das erste mal, dass sie Zeit und Ruhe für ein Gespräch hatten.

Ausserdem war die junge Kaldorei am Quartier der Einheit erschienen, welche sich vor Kurzem schriftlich an die Organisation gewandt hatte. Den druidischen Pfad wolle sie beschreiten, ihren Beitrag leisten zum Schutz der Natur und des Gleichgewichts. Luthien hatte sie an die Druiden und auf die kommende Zusammenkunft der Einheit verweisen müssen, bei der sie Gelegenheit haben würde, sich mit ihrem Anliegen persönlich an die Druiden zu wenden.

In der Tat... viele Worte hatte diese Nacht gehabt.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:33

Luthien, 16.09.2011

Routinemäßig kontrollierte sie ihre Ausrüstung auf Vollständigkeit. In zwei Nächten würde sie mit denen, welche die Einheit entbehren konnte, erneut zur Verstärkung von Silberlaubs Truppe in den Hyjal reisen.
Gedankenverloren strich ihre Hand über Bogen und Dolche. Hyjal war Kaldoreiland und sie würden kämpfen, wie ihr Volk es seit Jahrtausenden tat. Die Natur und die Nacht waren ihre natürlichen Verbündeten und der Feind würde erst wissen, dass sie da sind, wenn es zu spät war.
Wie ein Alptraum würden sie über die blinden und tauben Marionetten des Schwarzen kommen, die Reste dieser unseeligen Kultistenbande auslöschen und noch vor Morgengrauen sollte nur noch der Geruch ihres Blutes an die erinnern, die Zerstörung und Verderbnis auf den heiligen Berg getragen hatten.

In ihrem Geiste blitzen Bilder der Elementarformer und Magier der Kultisten auf. Sie bleckte die Fänge und schüttelte die aufkommende Besorgnis mit einem dumpfen Grollen ab. Es war einerlei, dachte sie düster. Sollten überhaupt welche von ihnen die Schlacht überlebt haben, so konnten es kaum eine Handvoll sein und die Kaldorei würden dafür sorgen, dass sie ihren toten Kumpanen bald folgten.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:34

Luthien, 21.09.2011

Trüb und schwer waren ihre Gedanken, als sie sich auf den Weg zum Lazarett machte. Bevor sie die Reise zur Zusammenkunft in Darnassus antrat, wollte sie nach denen sehen, die mehr Glück gehabt hatten, als Schwester Silberlaub.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:34

Luthien, 23.09.2011

Wieder befand sich die Aufseherin auf dem Weg in den Hyjal und zum Stützpunkt bei den Ruinen von Lar'Donir. Dieses mal jedoch war es mehr ein Krankenbesuch als alles andere. Verteidigerin Dunkelstern lag noch im dortigen Lazarett und auch dem Druiden Malagar wollte sie einen Besuch abstatten.
Darüberhinaus hoffte sie zu erfahren, wie sich die Lage nach dem zwar gewonnen und dennoch so verlustreichen Kampf entwickelt hatte.

Ihre Gedanken wanderten zurück, zur Zusammenkunft der letzten Nacht. Viele Berichte hatte es gegeben zu den Ereignissen am Hyjal und es war das eine oder andere hinsichtlich der Jungdruiden innerhalb der Einheit besprochen worden.

Die Rückkehr von Lihra nach Darnassus und ihre langsame Genesung hatten sie mit Erleichterung und Freude erfüllt, wenngleich sie die Zusammenhänge immer noch höchst undurchschaubar fand. Sie hoffte, sie würde in den nächsten Nächten Zeit und Gelegenheit finden, sich näher damit zu befassen.


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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:34

Tinnurandir, 27.09.2011

Ein mit akribisch genauem Schriftbild verfasster Kurzbericht des vergangenen Abends für die Archive:

Waldmond sprach auf Bitte Nachtsang´s mit Hainläufer über seine Erinnerungslücken. Malagar, Aschenläufer und Nachtfeder kamen im Laufe des Gespräches hinzu. Waldmond bemühte sich, die Wichtigkeit des Ganzen herunter zu spielen.

Hainläufer durchsuchte Waldmond´s Geist nach Auffälligkeiten und untersagte ihm bis auf weiteres die Teilnahme an Einsätzen des Zirkels, da er in dessen Geist Hinweise darauf fand, dass Erinnerungen an Waldmond´s Reise durch das Brachland magisch unterdrückt werden. Außerdem wurde die Möglichkeit erörtert, dass durch die magische Beeinflußung seines Geistes Waldmond möglicherweise unbewußt und ungewollt Informationen weiter gab. Die Urheber der Manipulation konnten nicht ausgeforscht werden, da diese Informationen zu tief in den verschleierten Erinnerungen verborgen sind.

Im Laufe des Geschehens wurde Waldmond´s Haltung merkbar angespannter. Sowohl Verhalten als auch Aussagen nahmen einen zunehmend angriffslustigen, zynischen Charakter an.

Waldmond zog sich, wie er angab, zum Angeln zurück und kehrte erst im frühen Morgengrauen in sein Quartier zurück.
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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:35

Tinnurandir, 28.09.2011

Unruhig warf er sich im Schlaf herum. Auch wenn er sich abends nicht an seine Träume erinnern konnte, sie suchten ihn doch heim. Verwirrende Bilder, misstönende Laute, verunstaltete Gesichter, geisterhafte Gestalten. Der Nebel in seinem Geist streckte sich, erprobte die Grenzen von Hainläufer´s Zauber, versuchte die Barriere zu durchdringen, zu umgehen, um noch mehr Erinnerungen in seinen Bann zu ziehen.

Ruckartig setzte er sich auf, starrte vor sich hin, ohne zu sehen. Der Nebel zog sich zurück, verdeckte die schattenhaften Erinnerungen, zu deren Schutz er gewoben worden war. Nur langsam kehrte Leben in die glühenden Augen zurück. Mit einer Hand griff er nach dem Kelch neben seinem Bett, mit der anderen strich er sich über das Gesicht, auf dem noch immer ein Schatten des Schreckens seiner Träume lag, der nur zögerlich wich. Er nahm einen tiefen Schluck von dem Quellwasser und stellte das Gefäß wieder an seinem Platz ab.

Er wußte, er hatte mit Achaiah gesprochen... aber auch dieses Gespräch war verschwommen, unvollständig. Als wäre er nicht die ganze Zeit anwesend gewesen. Worüber hatten sie denn nun gesprochen? Er schüttelte langsam den Kopf, als könnte er ihn so von den Nebelschwaden befreien, die seinen Geist belagerten. Was war nur geschehen, dort auf dem Berg? Wer hatte ihm das angetan? Ein unbestimmbares, nagendes Gefühl schlich sich in seine Überlegungen, formte sich zu einer weit entfernt klingenden Stimme, die harte, unnachgiebige Stimme seiner Schwester: "Reiß dich zusammen! Lass dich nicht so gehen! Es liegt an dir, ob du dich unterwirfst oder siegst!"

Mühsam, eher einem von Gnomen gebauten Roboter ähnlich zog er sich an, um einen weiteren Abend untätig zu verbringen. Nicht einmal seine sonst so eifrig befolgten Lektionen und Übungen reizten ihn. Lustlos wanderte er durch die Stadt, unempfindlich gegenüber den Rufen der Händler, dem geschäftigen Treiben, bis er sich abermals auf dem Felsen in der Enklave wieder fand, auf dem er schon so viele Stunden verbracht hatte, um einen weiteren Abend stumpf vor sich hinzubrüten.
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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:35

Tinnurandir, 29.09.2011

"Nicht so laut", die Stimme war kaum mehr als ein heiseres Hissen. "Du weckst noch den Wächter auf." - "Aber dafür haben wir doch diesen nutzlosen Kerl mitgeschleppt.", mit seiner freien Hand deutete er zu der schlaffen, bewußtlosen Gestalt, die sie zwischen sich mitschliffen, "Er wird ihn ablenken, sollte der uns an den Kragen wollen."

Die beiden stritten, allerdings leiser, weiter. Ein Wort gab das andere, als sie sich der Höhle näherten, die sich nahe dem Gipfel des Berges in den Felsen bohrte. Unweit des Eingangs ließen sie den Körper zu Boden gleiten und huschten hinter einen schützenden Felsen, um zu beobachten, endlich ihren Zwist vergessend. Es dauerte nicht lange und aus der Höhle war ein Tapsen zu vernehmen, das sich langsam näherte. Ein neugieriges Schnauben und Schnaufen, eh sich die Schnauze eines Bären sehen ließ. Mit einem Lachen kam der Unbekümmerte aus seiner Deckung hervor und trat an den leblosen Körper heran, der als Köder gedient hatte. "Wächter... das ich nicht lache. Eine mythische Kreatur, halb Mensch, halb schreckliches Ungetüm. Da hast du deinen Wächter", sich zu ihrem Versteck umdrehend, "nur ein nicht mal sonderlich hungriger Bär, der si..." Weiter kam er nicht, dahin gerafft von einem konzentrierten Strahl grüner Verderbtheit, begleitet von einem tiefen, düsteren Lachen.

"Dachtet ihr wirklich, es wäre so einfach, mich zu täuschen? Dachtet ihr, ich würde auf einen derartig primitiven Trick herein fallen?" Die Stimme jagte dem noch lebenden Menschen Schauer über den Rücken und er blickte sich um, abschätzend wie gut seine Chancen wären, dem Unbekannten zu entkommen. "Denk nicht einmal daran, kleines Wesen. Du hast nur eine Wahl: Schnell zu sterben, beinahe schmerzlos... oder unendlich langsam, gefoltert und gequält, immer und immer wieder." SChweiß bildete sich auf der Stirn des Menschen, rann ihm in die Augen. Angst, aber auch Hass und Auflehnung blitzten in seinem Blick auf, als er aus der Deckung schnellte und in Richtung des Hanges stürmte. Nach wenigen Metern aber, schien es, als wäre er gegen eine Wand gelaufen. Er prallte zurück und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht, zusammen gekrümmt auf der Seite liegen. "Gut", die kratzige Stimme wurde von einem kehligen Lachen untermalt, "ich dachte schon, ich bekäme überhaupt keinen Spaß mehr. Du hast dich also für Zweiteres entschieden." Ein verkrampftes Keuchen, das nur kurz währte, entkam dem Menschen, eh er die Augen verdrehte und sein Geist Zuflucht in der Dunkelheit suchte.

"Und was dich angeht", der Wächter beugte sich über die Gestalt des Nachtelfen, der noch immer bewußtlos auf dem Boden lag, "ich bin sicher, die Meister werden außer sich vor Freude sein, ein Sternenkind in die Finger zu bekommen. Zu schade, dass du nicht auch mein sein wirst." Auf einen Deut der mit Krallen bewehrten Hand huschten mehrere kleinere Gestalten aus der Höhle und trugen alle drei Körper hinein. Langsam folgte ihnen der Wächter, mit glühenden Augen über einem Lächeln, das deutlich seine Fänge zeigte. Seine Hufe schlugen hin und wieder Funken aus dem Felsen und seine Schritte hallten von den Wänden wieder.

Wie schon auch am Tag zuvor zuckten seine Lider hoch, als er schlagartig aus seinen Träumen erwachte. Das Licht der untergehenden Sonne stach ihm in die Augen, aber er weigerte sich, sie wieder zu schließen. War es wirklich nur ein Traum gewesen? Es kam ihm so... lebendig vor, so wirklich, im Gegensatz zu anderen Geschehnissen, die er wachen Geistes erlebte. Sein Herz raste und seine Haut fühlte sich heiß an. Mit einem Seufzen schwang er die Beine aus dem Bett, um aufzustehen, als der Traum auch schon zu verblassen begann, er sich nicht mehr an Einzelheiten zu erinnern vermochte. Als er sich angezogen hatte, wußte er schon gar nicht mehr, dass er überhaupt geträumt hatte. Mit einem Schulterzucken verließ er das Haus und begann seine Runden durch die Stadt zu ziehen, einem hungrigen Säbler auf der Pirsch gleich.
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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:36

Gaomee, 29.09.2011

Ihre bloßen Füße federten sanft auf dem dichten Grasboden. Sie genoss das Gefühl, das die Halme an ihrer Haut hinterließen. Ein leichtes Kitzeln und doch nicht unangenehm. Es ist eben anderes Gras. Die Gebäude der Enklave ragten still vor ihr auf. Stumme Wächter derer, die sie besiedelten und selbst für Schutz sorgten. Wie lange war es her, dass sie nicht mehr hier gewesen war? Ein halbes Jahr? Ein paar Monate? Zu lange.

Ihre Mimik erhellte ein erwartungsfrohes Lächeln. Sie hatte Darnassus vermisst und das mochte etwas heißen. Selbst die Enge Teldrassils, das Wissen darüber, Grenzen zu haben, in denen man sich bewegte, schien ihr nicht so furchtbar, wie vor Aufbruch. Vielleicht lag es daran, dass die Ereignisse, die auf ihren Aufenthalt hier gefolgt waren, einen Schatten mit sich führten, den sie in diesen Stunden zu erhellen hoffte. Hier wollte sie weder daran denken, wieviele ihr Leben gegeben hatten, noch, dass Gefährten, die sie lieb gewonnen hatte, nicht mehr zurückkehren würden. Es hatte einen Punkt in dieser Zeit gegeben, als sie selbst daran gezweifelt hatte, das Feuer hinter sich zu lassen.

Doch nun stand sie hier. An diesem Ort, der ihr jedes Mal so vertraut und doch fremd schien. Ihr Blick suchte den Weg vor sich und beinahe erstaunt stellte sie fest, wo sie war. Als hätte ich den Weg gesucht... Sie lachte leise. Ein heller Laut, der die vorherige Stille durchbrach, ohne sie zu stören. Sie war zu Hause...

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:36

Luthien, 01.10.2011

Ihre Schritte führten über den vertrauten Weg hin zur Enklave, während ihre Gedanken um die Dinge kreisten, die sie in dieser Nacht erwarten mochten.
War Hainläufer mit seinen Untersuchungen bezüglich Waldmond weitergekommen? Würde es einen kurzfristigen Späheinsatz ins Brachland geben? Wenn ja, wen ausser Malagar, der seine Unterstützung angeboten hatte, würde Hainläufer dazu mitnehmen? Was wollte Malagar mit ihr besprechen? Und wann würde Dunkelstern endlich aus dem Lazarett im Hyjal nach Darnassus verlegt?
Der Quartierbaum des Smaragdzirkels kam in Sicht, die Aufseherin atmete leise hörbar duch und zuckte mit den Schultern, ehe sie selbige straffte. Nun... sie würde es herausfinden.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:36

Gaomee, 02.10.11

Erinnerungen

Ihre Hand umklammerte die rußgeschwärzte Klinge. Sie spürte den Schmerz nicht, der sich mit dem heißen Metall in ihre Haut brannte. Sie wusste nicht einmal mehr, wessen Klinge es gewesen war. Sie hatte sie aufgehoben, irgendwann. Es schien ihr eine Ewigkeit her zu sein. So viele! Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. „Es ist vorbei, Windherz. Wir können nichts mehr tun.“ Auch diese Berührung schien nicht zu ihr durchdringen zu wollen, ebenso wenig, wie die Stimme und deren Worte. Tief in ihrem Innern wusste sie, dass es wohl beruhigende Klänge waren, die an sie gerichtet waren, doch sie konnten nichts gegen das ausrichten, was sich dort vor ihr zeigte. So schnell! Es war alles so rasch gegangen. Ein Wimpernschlag. Wenige Sekunden.

Die Waffe entglitt ihren kraftlosen Fingern und fiel auf den starren Boden. Auch dieses Geräusch hörte sie nicht. Das ist also Krieg. Niemand hatte ihr gesagt, dass es so sein würde. Keiner hatte sie auf das hier vorbereitet. Sie erinnerte sich an die Einsätze ihrer Einheit, die so weit im Dunklen zu liegen schienen. Es war ihr doch vorher leicht gefallen gegen die Verderbnis zu kämpfen. Was war hier anders? Alles! Alles war anders.

Ein leises, qualvolles Stöhnen entrang sich ihrer Kehle. Der einzige Laut, den sie wahrnahm. Etwas, das nicht zu ihr gehören schien. So schwer! Sie hatte es sich einfacher vorgestellt. Hatte sie nicht lange darauf gewartet, endlich beweisen zu können, dass sie vollends erwachsen war? Das ihr Platz bei den vollwertigen Druiden war? Hier war ihre Chance und sie war anders, als alles, was sie erwartet hatte. Ich kann das nicht…

Die Bewegung gelangte in ihren Körper zurück und sie machte unwillkürlich einen Schritt zurück, stolperte und fing sich nur, weil die Hand noch immer stützend auf ihrer Schulter lag. Ihre geweiteten Augen konnten sich noch immer nicht von dem lösen, was vor ihr war. Doch was war dort? „Windherz, kommt!“ Die Stimme klang nun energischer und riss sie aus ihrer Lethargie. Ich bin da. Doch wo war das? Im Feuer. Dort hatte sie doch hingewollt. Oder nicht?

Sie zwang sich, die Kontrolle über sich zurückzugewinnen und schüttelte heftig den Kopf, als könne sie dadurch das abschütteln, was sie gesehen hatte. Sie hob den Blick und richtete ihn zur Seite, suchte die Gesichter in ihrer Nähe, die sie wissend ansahen. Auch sie fühlen es. Es war beruhigend und doch wurde ihr schmerzlich bewusst, dass das, was sie für Erfahrung gehalten hatte, nicht einmal ansatzweise etwas war, was in diese Richtung ging. Langsam nahm sie jede einzelne Gestalt in sich auf. So wenige? Vergeblich konnte sie das Entsetzen auf ihrem Gesicht verbergen. Sie senkte den Kopf, damit die anderen die Tränen nicht sahen, die sich in ihre Augen schlichen, verräterische Anzeichen von Schwäche, die sie waren. Sie fühlte Hilflosigkeit in sich aufsteigen. Wieder waren sie geschlagen worden. Das Feuer hatte abermals einen Sieg davon getragen. Zu einem hohen Preis. Wie konnten sie am Ende siegen, wenn jeden Tag so viele gingen?

Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und sie zwang sich den Kopf zu heben, den Blick auf das zu senken, was sich vor ihnen in die Erde gebrannt hatte. Geschwärzt und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt lagen sie dort, grotesk verdreht. Erinnerungen an ein anderes Feuer wurden in ihr wach und sie straffte die Schultern. Auch Auberdine hatte gebrannt. Nie wieder. Sie mussten es einfach schaffen. Irgendwie musste es doch einen Weg geben. Was brachte es ihnen, wenn sie in ihrer Verzweiflung versank? Sie mussten es weiter versuchen. Sie sog die bittere, rauchgeschwängerte Luft ein und wandte sich zu dem Druiden um, der sie abwartend und sehr aufmerksam ansah. Als er ihrem Ausdruck in den Augen begegnete, nickte er. „Willkommen zurück, Windherz.“

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:36

Ravenna, 03.10.11

Langsam ging Galadhriel an dem großen Gebäude vorbei und dachte an die Worte Lothiriel's zurück "Tyrr scheint uns gut gestellt zu sein, wir dürfen uns keine Feinde erlauben zu diesen Zeiten." hatte sie gesagt. Doch Galadhriel vermutete dennoch kalte Berechnung. Man konnte nie vorsichtig genug sein. Sie musste ihm nur einmal in die Augen sehen...nur einmal kurz...Galadhriel blieb stehen und sah hinauf. Doch ehe sie das Gebäude betreten konnte, vernahm sie die Stimme einer Kal'dorei hinter sich. "Gala! Was macht ihr denn da? Ist das nicht der Sitz unseres neuen Freundes...Bruder...Morgennebel oder so?" Galadhriel zuckte kaum merklich zusammen. "Cenarius adore, Isilven. Ich gehe nur spazieren...das ist alles." erklang die leicht abwesend wirkende Stimme der Druidin. Ihr Blick wanderte zu der Priesterin mit dem schwarzen Haar. Und doch blickte sie nur durch sie hindurch. "Äh..ja...Elune adore, Schwester. Wir sollten zurück gehen, Lothiriel hat uns etwas zu sagen. Die Magistrix wünscht uns jetzt gleich zu sehen." Galadhriel nickte langsam. Sie würde vorerst mit zurück gehen, doch sie würde wieder kommen und diesen Tyrr Morgennebel persönlich treffen...

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:37

Gaomee, 04.10.2011

Erinnerungen

Mach schon. Jetzt! Worauf wartet er? Neben sich hörte sie einen ihrer Begleiter ungeduldig ausschnaufen. Sie sehen es auch.

Ihre Finger krampften sich um den knorrigen Stab, den sie hielt. „Wenn er sich noch länger Zeit lässt, werden wir gegrillt.“, stellte einer der Druiden neben ihr trocken fest und verstärkte damit ihre Nervosität. Sie blinzelte und versuchte den faden Geschmack aus ihrem Mund zu verbannen, der sich dort eingenistet hatte. Vor ihnen wuchs die hünenhafte Gestalt des Riesen immer weiter an. Selbst aus der Entfernung konnte sie die Hitze spüren, die von ihm ausging. Ich hätte nicht geglaubt, dass er so groß ist. Seine Schritte hinterließen grelle Pfützen aus flüssigem Feuer. Es schien als setze er den Weg, den er ging, einfach in Brand.

Sie trat von einem Fuß auf den anderen. Die Anspannung, die in der Luft lag, war greifbar. Sie brauchte nicht zur Seite zu sehen, um zu wissen, was die anderen taten. Jeder wartete darauf, dass die Krähe ihren Flug begann. Vielleicht hat er Angst. Der Gedanke war nicht abwegig. Schließlich wussten sie alle, was mit denen geschah, die zu nah an das Feuer kamen und unachtsam waren. Ein Fehler konnte tödlich sein. Insgeheim war sie froh, dass ihr diese Aufgabe noch nicht gestellt worden war. Nun mach schon! Ihre Nerven schienen blank zu liegen. Noch immer konnte sie nicht vergessen, was sich beim letzten Mal ereignet hatte. Wie konnte sie, wo sie heute in der Gruppe stand, die es zuvor nicht geschafft hatte.

Sie musste sich bremsen, nicht erleichtert laut aufzuschreien, als die Krähe die Flügel eng an den Körper legte und ihren Sturzflug begann. Im selben Moment, erklang der Befehl neben ihr und sie stürmten los. Es begann. So, wie es am Tag zuvor auch begonnen hatte. Heute schaffen wir es. Wir müssen…

Der Gedanke brach ab, als das Feuer sie erreichte. Vielleicht hatte auch sie das Feuer erreicht. Welche Rolle spielte das schon? Nun konnte sie nicht zurück und daher folgte sie den anderen, in dem Versuch, ihre aufkeimende Angst nicht Oberhand gewinnen zu lassen.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:37

Luthien, 06.10.2011

Als sie endlich das letzte Mal das Zeichen der Einheit in das heisse Siegelwachs drückte, war die Morgendämmerung schon weit fortgeschritten und Müdigkeit legte sich wie Blei um Gedanken und Glieder.
Nun war es Zeit für ein paar Stunden Schlaf, ehe die Nachrichten am frühen Abend ihre Reise zu jenen Mitgliedern des Smaragdzirkels antraten, die es aufgrund ihrer Aufgaben nicht zur Zusammenkunft geschafft hatten. Um sie zusammen zu rufen und vorzubereiten auf das was kommen sollte... was kommen musste, wenn sie Waldmond vor Schlimmerem bewahren wollten.

Die Ereignisse dieser wortreichen Nacht flossen träge durch ihre Gedanken, während sie sich wusch und auf die Tagesruhe vorbereitete.
Die Begegnung mit der Wächterin, welche während der Zusammenkunft in Begleitung Schwester Shendials aufgetaucht war. Der Besuch der mehr als mitgenommen wirkenden Schwester Nachtwind. Die Druiden, die sich im Rahmen der Versammlung der Einheit vorgestellt hatten und im Anschluss ein Aufnahmegespräch mit einigen Druiden der Einheit führten.

Nun, einer hatte keiner Vorstellung bedurft. Lange schon kannten sie Shan'do Malagar, hatten oft mit ihm zu tun gehabt und einige Male Seite an Seite gekämpft. Sie lächelte unwillkürlich im Gedanken an den freundlichen Druiden und freute sich über seine Entscheidung. Sie schätzte den erfahrenen Druiden. Sein Wissen und seine Erfahrung würden ohne Zweifel eine Bereicherung für die Einheit sein.

Die anderen Bewerber waren ihr fremd gewesen, doch sie vertraute auf die Erfahrung und Entscheidungen der Druiden der Einheit. In diesen schweren Zeiten mit ihren manigfaltigen Aufgaben waren frische Kräfte und Unterstützung wahrlich willkommen. Alles Weitere würde ohnehin nur die Zeit zeigen.

Mit einem erleichterten Seufzer streckte sie sich auf ihrem Lager aus und binnen Sekunden umfing sie ein traumloser Schlaf.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:37

Tyrr, 06.10.2011

Kaum verklangen die Schritte schlug der hochgewachsene Kaldorei gegen die Wand seiner Kammer. Kurz durchzuckte der Schmerz seinen Körper und er vergass einen Augenblick die Wut.

Was dachte sich dieses aufmüpfige Kind. Es erbittet seine Hilfe doch statt freundlich darum zu bitten beleidigte sie Ihn. Nein sie verhöhnte ihn sogar.

„Ihr residiert hier wie ein König über der Stadt und die Sorgen der andern Kaldorei sind euch egal!“ Was dachte sich dieses Weib überhaupt. sein ganzes Leben tat er nichts anderes als sich um die Sorgen der Kaldorei zu kümmern. Wütend stampfte er zurück auf seinen Balkon.
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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:38

Gaomee, 08.10.11

Erinnerungen:Auberdines Untergang – des Todes umarmende Schwinge

Zitternd ließ sie sich im weichen Gras nahe der Ansiedlung nieder. Ihr Schnabel klackerte, allerdings ohne Laute hervorzubringen. Mühsam schüttelte die Krähe ihr Gefieder und versuchte Erholung zu schöpfen aus einer Kraft, die sie nicht mehr besaß. Einige Wimpernschläge verharrte das Tier regungslos, als sei es mehr Statue denn lebendiges Wesen. Dann schimmerte die Gestalt,
wurde unscharf und wuchs. Krähenzehen wandelten sich in die nackten Füße einer Elfe, ebenso wie der Körper sich dem Himmel entgegenstreckte
und umgeben von hellem Schimmer schließlich und nach viel zu langer Zeit die unverkennbaren Umrisse der vertrauten Rasse abzeichnete.

Mit einem müden Seufzer ließ sich die Elfe ins Gras sinken, zog die schlanken Glieder eng an den Körper und sog die bereits kühl gewordene Abendluft ein. Vergeblich versuchte sie das erschöpfte Beben unter Kontrolle zu bringen, das sich ihrer bemächtigt hatte. Es schien ihr unmöglich sich wieder zu bewegen und doch tat sie es. Mit fahrigen Bewegungen erhob sie sich, suchte stützend den Untergrund, um sich emporzuhieven. Keine Anmut, nur Müdigkeit, die sich auch in den silberfarbenen Augen der Elfe widerspiegelte. Ruckhaft, beinahe dem Tier ähnlich, dem sie eben entwachsen war, suchte ihr Blick etwas, an dem sie sich festhalten konnte. Taumelnd kam sie endgültig zum Stehen und stützte sich an einer Eiche ab, die neben ihr Festigkeit bot. Ein kurzes Lächeln trat auf ihre Züge. Sie hatte es geschafft. Sie hatte es wirklich geschafft…
Das war der einzige Gedanke, zu dem sie fähig war und Erleichterung durchwogte sie wie eine warme Welle von sanften Wassers. Ihr Kopf sank an den Baumstamm, die raue Rinde drückte sich in ihre Haut, doch das nahm sie nicht einmal mehr war.

Der Flug von der Mondlichtung hierher war so viel schwieriger gewesen, als sie es in Erinnerung gehabt hatte. Kräftige Winde hatten an ihrem Körper gezerrt, versucht sie zum Absturz zu bringen. Es war das erste Mal, dass die Angst sie beim Fliegen beinahe mit sich gerissen hätte. Der Verlust der Kontrolle war greifbar gewesen. Eine Erinnerung, die sie aufstöhnen ließ, so gegenwärtig schien sie ihr noch. Vergeblich hatte sie versucht sich an die Worte ihres Shandos zu erinnern, der ihr gesagt hatte, dass sie nur dem Geist vertrauen müsste, um ihre Fähigkeiten halten zu können. In den letzten Stunden war dieses Vertrauen stark erschüttert worden, vor allem auch deshalb, weil sie gespürt hatte, dass der Krähengeist unruhig war.
Es war diese Unruhe, die auch die junge Elfe spürte und das seit Wochen. Sie konnte es nicht in Worte fassen. Sie wusste, dass es den übrigen Druiden nicht anders ging. Die Vorahnung auf etwas Furchtbares war stetig gewachsen, so wie die Erdbeben, die die Welt erschütterten, mit jedem Tag stärker geworden waren. Eine Angst, die sie nicht hatte greifen können. Ihre Träume waren dunkel gewesen, ohne Bilder, doch voller schreckhafter Farben, die sie stets umwirbelten und keine Erholung brachten.

Sie löste sich widerstrebend von dem Halt spendenden Baum. Wenn sie doch nur wüsste, was wirklich geschah. Sie hatte Vogelschwärme beobachtet, die davon geeilt waren. Wälder, deren Stille beinahe erdrückend gewesen war, weil die Tiere sich zurückgezogen hatten. Doch wohin? Sie spürte die Unruhe der Urtume. Alles schien verkehrt, doch was war es? So lange hatte der Zirkel versucht Antworten zu finden. Wie konnte es sein, dass es nicht gelang, sie ausfindig zu machen? Warum verwehrte sich die Natur? Ahnte sie womöglich, was geschehen würde? Tastend schob sie ihre Füße vorwärts, mehr schwankend, als gehend. Immer wieder suchte sie den Schutz eines nächsten Baumstammes, der sie ein weiteres Stück ihres Weges begleitete.
Wohin waren die Tiere gegangen? Ihr Blick suchte den wolkenverhangenen Himmel. Es war den gesamten Tag über düster gewesen. Als teile die Natur ihre Sorgen, hatte sie der Sonne nicht gestattet zu scheinen. ...

...„In Elunes Namen, wie seht ihr denn aus?“ Eine gerüstete Elfe trat mit schnellen Schritten an ihre Seite und umfasste ihre Schulter. Die junge Druidin schaffte es ein schwaches Lächeln auf ihre Züge zu zaubern. „Es…geht schon“, murmelte sie leise, peinlich berührt davon, dass solch ein Aufhebens um sie gemacht wurde. „Ihr seht nicht so aus, als gehe es“, entgegnete die Elfe mit grimmiger Miene. Nun registrierte Gaomee, dass es sich um eine der Schildwachen handelte, die Auberdine schützten und ihre Wangen färbten sich dunkel. „Ich bin nur…erschöpft…das ist alles.“
Ein brummiges „Mh“ drang aus dem Mund der Schildwache, ehe ihr Blick prüfend an der zitternden Druidin herab wanderte. „Ich bringe euch ins Gasthaus. Dort wird man sich um euch kümmern. Ihr scheint zumindest nicht verletzt. Felariel!“ Ihr Ruf wurde beinahe sofort beantwortet und eine weitere Schildwache erschien, deren weniger geschmückter Wappenrock vermuten ließ, dass es sich um keine vollwertige Verteidigerin zu handeln schien. „Geh und sag Tandoria, sie soll sich auf einen Gast vorbereiten“

Mit einem hastigen Nicken entfernte sich die junge Kriegerin. „Danke“ Gaomee suchte den Blick der Schildwache, was diese mit einem knappen Nicken quittierte.
Darum bemüht, keine allzu große Last zu sein, ließ sich die junge Druidin leiten, ehe sie nach vielen weiteren Schritten und einem schier endlosen Weg auf ein weiches Bett gesetzt wurde. Die Schildwache nickte und wandte sich ab. Gaomee wurde einer weiteren Nachtelfe gewahr, die sie mit sorgenvoller Miene musterte. „Es ist nichts…wirklich“, versuchte sie abermals zu beschwichtigen. Ihr Gegenüber nickte nur und drückte ihr einen Becher mit einer dampfenden Flüssigkeit in die schwankenden Hände. Der Geruch nach wilder Brennnessel und Samsanwurzel drang in Gaomess Nase. Sie fühlte, wie Ruhe sie überkam. Sie wusste, dass der Tee sie würde schlafen lassen. Schließlich hatte sie ihn selbst schon oft zubereitet, manchmal zu oft, wie sie wehmütig feststellen musste.

Laute Rufe ließen sie aufschrecken und die Ruhe, die sich in ihr ausgebreitet hatte verschwinden. „Was ist los?“, hörte sie Tandoria fragen. Der Tonfall der Elfe weckte eine dunkle Vorahnung in ihr. Sie spürte die Unruhe der anderen auf sich selbst übergehen, als draußen weitere Rufe laut wurden. Etwas am Klang dieser Rufe ließ sie den Becher beiseite stellen und den halbherzigen Protest Tandorias ignorieren. Viel zu müde, um sicher gehen zu können, trat sie schwankend an das Geländer, das den Blick auf das Meer und die Hafenanlagen Auberdines freigab. Hinter sich hörte sie Tandoria einen erschrockenen Laut ausstoßen. Haltsuchend legten sich Gaomees Finger auf die hölzerne Ballustrade, nicht im Stande dazu zu begreifen, was sich vor ihrem Auge abspielte. Ein riesiger Schatten hob sich am dämmernden Himmel ab, unscharf und doch so groß, dass kein Zweifel darüber bestand, um was es sich handelte.
„Ein Drache!“ Der gellende Schrei ließ sie heftig zusammenfahren. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie dem immer größer werdenden Tier entgegen. Es gab keine Zweifel. Es war ein Drache und die Farbe der Schuppen

...Entsetzt hörte sie sich selbst aufstöhnen. Wie von weit her drangen nun immer mehr Schreie zu ihr. „Er greift uns an“, „Bringt euch in Sicherheit“. Ihre Beine begannen zu beben. Eine Hand umfasste sie nicht sehr sanft am Arm und zog sie mit sich. Gaomee ließ sich mitziehen, nicht in der Lage dazu, den Blick von dem Ungetüm abzuwenden, was sich drohend immer weiter vorwärts schob. Viel zu schnell, schoss es ihr durch den Kopf. Er war viel zu schnell für sie. Sollte sich die Unruhe der letzten Monate wirklich bewahrheiten? Konnte es möglich sein? War es das, was sie alle gefürchtet hatten? Aber warum?

„Nun komm schon“, Tandorias Schrei gellte in ihren Ohren und endlich schien auch ihr Körper ihr wieder zu gehören. Die letzten Kraftreserven aus sich schöpfend, stürmte sie mit anderen Elfen aus dem Gasthaus, Richtung Wald. Ein lautes Brüllen, voller Gier und Wut, ließ sie gequält aufschreien. Vergeblich presste sie die Hände an die Ohren. Der Laut drang ihr durch Mark und Bein.
Eine Hitzewelle ließ sie stolpern und zu Boden fallen. Glutrote Flammen schossen über sie hinweg, versengten ihre Haut und ihr Haar. Vor Schmerz gekrümmt, presste sie sich dicht auf den Boden, grub das Gesicht in das versengte Gras. Sie richtete die tränenden Augen auf und versuchte zwischen dem Rauch und den hohen Flammen etwas zu erkennen. Der Schmerz, der in ihrem Körper tobte, war unbeschreiblich. Stöhnend sackte sie nach vorn, die Hände krallten sich in den nun aufgewühlten Boden. Viel zu langsam, als dass es die normale Zeit sein konnte, sah sie Tandoria von den Flammen erfasst werden. Eine lebende Fackel, deren schrille Rufe sie mit schreien ließen. Um sie herum tobte das Chaos. Sie sah Schatten umher wanken. Das Tosen der Flammen ließ ihre Rufe beinahe ungehört verstreichen. Wimmernd versuchte sie sich aufzurichten. Ihr Körper schien ihr noch ein letztes Mal gehorchen zu wollen. Wie sie zum Stehen kam, konnte sie nicht sagen. Es schien ihr gleichgültig. Das hier war das Ende…

Ein kühler Tropfen benetzte ihre verbrannte Haut, dann ein weiterer. Suchend richtete sie den gepeinigten Blick zum Himmel. Kein Regen und doch schien es ihr, als falle immer mehr Wasser. Dann verdunkelte sich alles. Das Tosen der Flammen war in unsägliche Höhen angeschwollen und ließ alle anderen Rufe ungehört verklingen. Immer lauter wurde das Toben, zu laut, denn die Flammen blieben gleich. Sie ebbten sogar ab, schließlich war der Schatten weitergezogen, um sein zerstörerisches Werk an anderen Orten zu verrichten.
Mit einem auf einmal unguten Gefühl wandte sich die junge Druidin um. Zunächst sah sie nicht, was sie vor ihr auftat, doch dann realisierte sie, woher das tobende Brüllen kam. Wasser! Eine riesige Wasserwand tat sich vor ihr auf. Unfähig sich zu rühren vergaß sie sogar den sengenden Schmerz, der ihren Körper umgab. Ihre silberfarbenen Augen starrten das Wasser an, das sich unaufhaltsam näher bewegte. Sie konnte ihrem Körper keinen weiteren Befehl mehr geben. Sie nahm nichts mehr war, außer das Wasser. Sie sah nicht, dass andere Elfen panisch versuchten, sich weiter zurückzuziehen. Sie spürte nicht, dass der Boden unter ihren nackten Füßen zu wanken begann, je näher das Wasser kam. Sie bemerkte nicht den rußgeschwärzten Körper, der einst Tandoria gehört hatte.
Erst, als das Wasser sie erreichte, schrie sie gellend auf. Ein Schrei, der abrupt abriss, als die wogenden Wellen über ihr zusammenstürzten und sie mit sich fortrissen, in die Weite des Meeres.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:39

Gaomee, 09.10.2011

Erinnerungen

Ihr Atem ging schwer, doch in ihren Augen lag ein eigentümliches Glühen, das nur ein Sieg hervorrufen konnte. Ihre Hände zitterten, doch innerlich jubelte sie. Gewonnen. Jemand klopfte ihr auf die Schulter.

Als sie sich umwandte, schenkte ihr Regaris ein anerkennendes Nicken. „Gut gemacht, Windherz!“, murmelte er, während der Blick seiner goldenen Augen weiterschweifte. „Gut gemacht.“ Seine Hand tätschelte abermals ihre Schulter, doch es war eine flüchtige Berührung, als habe er sie wieder vergessen. Gaomee jedoch erinnerte sich daran und fühlte sich, als sei sie gewachsen. Nicht sichtbar und doch innerlich. Wir haben es geschafft! Wo vorher Zweifel waren, herrschte nun Erleichterung und etwas anderes – Stolz. Sie hatten es tatsächlich überlebt. Sie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Sie sah die anderen ebenso mit ihren Gefühlen kämpfen. Manche Gesichter glichen Masken, in anderen konnte sie lesen, wie in einem aufgeschlagenen Buch. Gestern erst hatten sie sieben Freunde verloren, als der Angriff fehlgeschlagen war und sie vom Feuer überrascht worden waren. Heute waren sie diejenigen, die triumphiert hatten.

„Zurück zum Schrein!“

Sie kehrte dem gefallenen Riesen und seinen Schergen den Rücken zu. Morgen würde es weitergehen, doch für heute konnten sie zufrieden sein. Ein kleiner Sieg im Angesicht dessen, was sie weiterhin erwartete und doch ein gutes Gefühl. Sie lächelte und atmete tief durch, ehe ihre Gestalt verschwamm und schrumpfte. Bald flog sie dem Schwarm nach.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:40

Gaomee, 13.10.2011

Staubiges Land – Mission im Brachland

Der Staub setzte sich auf ihrer blassen Haut ab, wie ein gräulicher Schatten. Sie musste husten, um ihre Atemwege von dem feinen Geriesel zu befreien. Es war vergebliche Mühe, wie sie missmutig feststellen musste. Wieder hustete sie gedämpft, in der Hoffnung, dass das Geräusch nicht allzu weit getragen werden würde. Was eine trostlose Gegend. Dieser Gedanke war ihr bereits einige Male gekommen, während sie hinter den anderen hergeschlichen war.

Ihre goldgesprenkelten Augen suchten die anderen inmitten der trostlosen Einöde. Neben ihr, tief geduckt am steinigen Hang, kauerten Luthien und Achaiah. Sie bemerkte, dass ihre Lippen sich zu einem Lächeln verzogen. Es tut gut, wieder hier zu sein. Vor ihr gab Bruder Hainläufer einen Befehl an den seltsamen Kaldorei, der sie begleitete, weiter. Gaomee war alles andere, als begeistert gewesen, als sie seine Anwesenheit gespürt hatte. Doch selbst durch ihre Abneigung hindurch musste sie sich eingestehen, dass er sich wohl am besten mit denjenigen auskannte, die ihnen entgegenstanden. Macht es das besser?

Sie entschied sich, nicht weiter darüber nachzugrübeln. Mit ihrem Blick folgte sie seinem Bannzauber, der die Teufelswache einlullte, damit die Druiden ungesehen durch sie hindurch schlüpfen konnten. Die Zeit lief ihnen davon und doch kamen sie nur langsam voran. Hoffentlich lebt er noch… Sie fühlte, den harten Stein, als ihre Hand angespannt das Gleichgewicht ihrer Haltung korrigierte.

„Jetzt!“ Da war der Befehl. Beinahe hatte sie ihn verpasst, so in Gedanken versunken war sie gewesen. Sie spürte die Bewegung, die in die Gruppe kam und schloss sich dieser an. Es war mehr ein Zwang, als eine eigenständige Handlung und doch tat er seinen Zweck. Im Schatten der aufragenden Felsen und mit aller Vorsicht, gelangten sie immer weiter an das Ziel, in welchem sie den verschwundenen Druiden vermuteten. Und wirklich! Die Höhle! Jetzt galt es, auch die letzten Schritte zu wagen.

Sie hörte die Druiden diskutieren. Verwirrt hob sie den Kopf. Ihr bot sich der Anblick von weiteren drei Wachen, die ihre Wege gingen. Erst nach und nach fiel ihr auf, dass es nach einem genauen Muster geschah. In der Mitte flackerte ein helles Feuer und darum versammelt hatten sich die Gestalten, die dem Leben am weitesten entfernt waren.
„Untote“, flüsterte einer der Druiden. „Mondstahl, könnt ihr zwei Wachen gleichzeitig bannen?“ Diese Frage kam von Bruder Hainläufer, doch die Hoffnung, die sich in seinen Augen widerspiegelt hatte, wurde enttäuscht, als der Kaldorei neben ihm den Kopf schüttelte. „Ich könnte sie aus der Luft ablenken.“, hörte sie sich selbst sagen und fühlte Erregung in sich aufsteigen, als sie an die Krähe dachte, die sich auf die Feinde herabstürzen würde. „Es gibt eine magische Barriere“, erwiderte Hainläufer und dämpfte damit ihre Euphorie gewaltig.

Sie legte den Kopf in den Nacken und versuchte abzuschätzen, wie hoch diese Barriere sein mochte. Daran hätte ich denken müssen., stellte sie missmutig fest. „Schwester Nachtfeder, Winterklinge, schießt!“

Der Befehl war beiläufig gesprochen und doch geriet beinahe sofort Bewegung in die Gruppe. Gaomee sah Eisklaue auf leisen Pfoten davonhuschen, ein weiterer schwarzer Schatten folgte ihnen. So viele neue Gesichter. Ich muss sie unbedingt kennen lernen, wenn das hier vorüber ist. Sie warf einen Blick zur Seite und begegnete Altras Augen, die sie ansahen. Mit einem Lächeln nickte sie ihr zu. „Ich fliege mit dir“, murmelte die Kaldorei neben ihr und Gaomee nickte abermals, zum Zeichen, dass sie die Worte gehört hatte. Ein leises Sirren folgte den Worten und sie sah die Pfeile die unaufhaltsam ihrem Ziel entgegenflogen. Dann los! ....

Sie atmete tief durch, ehe sie die Verwandlung einleitete. Ihre Gestalt wurde gedrungener, schrumpfte, das schlohweiße Haar wurde dunkel, ehe es in einem matten violett glänzte. Haare wandelten sich in Federn, Mund und Nase bogen sich nach vorn. Kurz darauf hockte anstelle der Druidin eine Krähe auf dem Stein, die mit dem Schnabel klackerte. Neben ihr erklang eine Antwort und so erhob sie sich mit kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte.
Ihr Ziel befand sich direkt vor ihr. Sie sah, wie zwei Säbler die Gruppe der Untoten am Feuer angriffen und stieß einen lauten, schrillen Ruf aus. Der leblose Blick eines Untoten hob sich zu ihr empor und gab dem weißen Säbler die Möglichkeit, ihm die Klauen in den Hals zu schlagen, ehe er es bemerken konnte. Die Krähe legte die Flügel eng an den Körper an, um, wie ein Pfeil herabzustürzen. Ihr Schnabel und ihre Krallen versenkten sich in dem, von Maden wimmelnden Fleisch und zerfetzten das, was einmal die Augenhöhlen gewesen waren. Wie aus weiter Ferne hörte sie ein Kreischen, das ihr durch Mark und Bein ging. Der fremdartige Kaldorei und die Teufelswache gerieten in ihr Blickfeld. Es war ein ungleicher Tanz, den sie aufführten und doch schien es, als würde der Kaldorei zurückweichen. Ohne Nachzudenken schwang sie sich empor und nahm die Wache ins Ziel. Die Klingen der beiden Gegner wirbelten in silbernen Kreisen umher. So schnell, dass es beinahe unmöglich schien, ihren Weg zu verfolgen. Wieder stieß sie herab, nur um im letzten Moment zu bemerken, dass die Klinge des Kaldorei auf die mächtige Brust der Wache zielte und damit direkt auf ihren Flugweg. Sie drosselte ihren schnellen Sturzflug und flatterte wieder empor. Dunkles Blut troff von der Klinge Mondstahls. Er hatte getroffen und die Teufelswache stürze langsam, wie ein Fels, vornüber.

Als sie sich wieder gefangen hatte, versuchte sie die Situation abzuschätzen. Wir gewinnen. Zumindest schien es so. Sie ließ den Blick schweifen. Niemand schien ernsthaft verletzt zu sein. Erleichterung durchströmte sie, auch, wenn ihr bewusst wurde, dass dies nur niedere Helfer waren. Der endgültige Feind mochte sie nicht so glimpflich davonkommen lassen. „Ich sehe ihn“, schrie einer der Druiden und deutete auf den Höhleneingang. Und wirklich. Dort, im Dunkel des Eingangs lag eine gekrümmte Gestalt. „Lebt er?“ Sie verfolgte den Wortwechsel angespannt mit. Als mehrere Druiden zu dem Liegenden eilten, ließ sie sich auf den Boden herab und wandelte sich zurück. „Er lebt!“ Sie hörte jemanden erleichtert aufseufzen und stellte fest, dass sie es gewesen war. Nun konnten sie mit ihm nach Darnassus zurückkehren. „Wir sollten uns beeilen, dass wir hier wegkommen“, sagte einer der Druiden und sie nickte ihm zu. Das war ganz nach ihrem Geschmack. In der Luft lag ein ungeheurer Gestank.

Sie half Luthien dabei, den bewusstlosen Kaldorei auf den Hyppogryphen der Aufseherin zu heben, den diese zu sich rief. Andere wurden bereits zurückgeschickt. „Ich fliege voraus und bereite alles vor.“ Gaomee nickte der Aufseherin zu, ehe sie sich abermals wandelte und in die Luft abstieß.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:40

Luthien, 14.10.2011

Die kleine Kaldorei drehte sich auf den Rücken, streckte sich auf ihrem Lager und fuhr sich, begleitet von einem unwilligen Brummen, mit einer Hand über das Gesicht. Sie fühlte die Erschöpfung des Kampfes und des langen, anstrengenden Rückflugs in jeder Faser und dennoch fand sie keine Ruhe.
Der ersehnte Schlaf floh sie... kaum dass sie begann sich zu entspannen und in seine erholsame Umarmung zu gleiten, schreckte sie wieder auf. Bestimmt ein Dutzend mal hatte sich dieses Spiel bereits wiederholt.

Erneut hob sie den Kopf und sah zu dem Lager am anderen Ende des Raumes hinüber, um erleichtert festzustellen, dass Waldmond noch immer unverändert dort lag und scheinbar beneidenswert seelig vor sich hinschlummerte. Wenigstens einer von uns, ging es ihr missmutig durch den Kopf.

Sie drückte sich auf einen Ellenbogen hoch und blinzelte durch die Ritzen des Lichtschutzes hinauf zum Quartier des Sprechers. Ob er den Tag dort verschlief oder doch nach Hause gegangen war? Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass es Ärger geben würde.
Morgennebel hatte nichts gesagt, als Gaomee und sie mit dem bewusstlosen Waldmond endlich angekommen waren und sich zurückmeldeten. Augenscheinlich ruhig, hatte er Luthien zunächst zur Ruhe geschickt, doch es war in seinen Augen.
Nur zu gut kannte sie diesen Ausdruck, dieses kalte, hintergründige Glimmen gezügelter, beherrschter Wut und sie war sicher, dass sein geballter Zorn bald über sie hereinbrechen würde. Ein mulmiges, beklemmendes Gefühl beschlich sie, denn sie wusste auch: er hatte guten Grund dazu.

Erneut kam ihr müder Blick auf dem schlafenden Tinnurandir zur Ruhe und für einen Wimpernschlag hoben sich ihre Mundwinkel zum flüchtigen Hauch eines Lächelns. Du bist sicher. Langsam legte sie den Kopf wieder auf ihrem Lager ab und blickte zur Decke. Das war es wert.




Zuletzt von Altra am 24.10.12 17:20 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:40

Luthien, 19.10.2011

Nichts ist so nerverzermürbend, wie auf etwas zu warten, das man es nicht abwenden kann, egal was man tut.

Missmutig starrte sie zum Sprecherquartier hinauf. Sie wusste, es war leer. Wie schon oft zuvor war Tyrr mal wieder in Sprecherangelegenheiten unterwegs und niemand wusste so ganz genau, wann er wieder zurück sein würde. Heute, morgen, gestern... er könnte schon da sein und man hätte es nicht bemerkt, ehe er hinter einem stand.
Normalerweise nahm sie diesen Umstand als gegeben hin, doch angesichts des Sturms, von dem sie wusste, dass sie ihm nicht würde entgehen können... machte es sie diesmal schier wahnsinnig.
"Das machst du mit Absicht", knurrte sie mürrisch vor sich hin, ehe mit einem Ruck Bewegung in die Kaldorei kam. Nun, sie würde nicht länger untätig auf das Unvermeidliche warten.

Es hatte sich ergeben, dass Shan'do Malagar bei einem Projekt in Winterquell, welches er betreute, nach dem Rechten sehen wollte. Luthien und die neue Verteidiger Anwärterin Nachtwind würden ihn dabei begleiten und die Reise gleichwohl dafür nutzen, sich am Rajenbaum und in Astranaar nach dem Stand der Dinge zu erkundigen.
Möglicherweise würde der eine oder andere weitere Druide sie begleiten. In jedem Fall war es eine willkommene Ablenkung.

Energischen Schrittes strebte sie in Richtung ihres Quartiers, um ihre Vorbereitungen abzuschließen und vielleicht noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.

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BeitragThema: Re: Kleine Geschichten aus dem Zirkel   24.10.12 12:41

Altra, 20.10.2011

Altra sah nervös den Baum hinauf. Luthien schien ziemlichen Ärger mit dem Sprecher zu haben, aber es war kaum der Platz einer Novizin, dort zuzuhören, auch wenn der Streit auf den unteren Stockwerken des Baumes ausgetragen wurde.

Der Kampf am Rajenbaum war siegreich beendet worden, aber das war schon wieder fast vergessen, im Angesicht dieses Streites.

Altra schüttelte sich. Hoffentlich würde ihr Shan'do wieder zurück kommen, bevor der Zorn des Sprechers sich über sie ergoss.
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